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23.02.2010

Der Honig kommt nicht aus dem Supermarkt...

Der Honig kommt nicht aus dem Supermarkt...
und Inklusion nicht von alleine


In der Weihnachtszeit besuchte uns zum dritten Mal während eines Jahres die AWO Naturgruppe aus Bargeteheide mit 14 Kindern und 3 Erzieherinnen.

Wie kam es zu diesem Besuch? Der Vater eines Kindergartenkindes hatte eine Anfrage an den Landesverband in Bad Segeberg gerichtet, mit dem Ziel, den Kindern das Leben der Bienen nahe zu bringen. Frau Meinke, vom Landesverband der Schleswig - Holsteinischen Imker gab die Anfrage weiter an mich als Vorsitzende des Imkervereins Bargfeld, Jersbek und Umgegend. Seit 2005 leite ich eine Imkergruppe für Menschen mit Handicap in den Stormarner Werkstätten Bad Oldesloe gemeinsam mit meinem Kollegen Michael Schmidt, der erste Erfahrungen mit der Imkerei bei seiner Ausbildung zur "Fachkraft für Arbeitspädagogik" sammelte.

Konzept und Bücherkiste

Bei eimem Besuch im April stellte ich mein Konzept, Lernwerkstatt: Die fleißigen Bienen, unter dem Aspekt der ganzheitlichen Sichtweise während einer Dienstbesprechung im Kindergarten vor.

Das Bienenprojekt soll wichtige Informationen über die Welt der Bienen vermitteln und ihre Bedeutung für die Natur und den Menschen herausstellen. Hierzu ist die Form des offenen Unterrichts gut geeignet, es wird flächenübergreifend und handlungsorientiert gearbeitet, denn jedes Kind bringt unterschiedliche Lernfähigkeiten mit, die zu berücksichtigen sind.

Zur Vorbereitung stellte ich eine Bücherkiste für den Kindergarten mit kindgerechter Bienenliteratur zusammen, so dass die Kinder mit Hilfe der Erzieherinnen sich dem Thema zunächst theoretisch nähern konnten.

Erster Besuch im Frühjahr

Gemeinsam mit Friedrich Hassenklöver von der Imkergruppe holte ich die Kinder vom Bus ab. Nach einem Frühstück zur Frühstückszeit mit allen Werkstattmitarbeitern im großen Speisesaal suchten die Kinder mit Hilfe einer Werkstattrallye die Teilnehmer der Arbeitsbegleitenden Maßnahmen Imkerei in ihren Arbeitsgruppen auf. Frisch bestiftete Waben wurden gezeigt, Unterschiede zwischen Drohnenbrut und Arbeierinnenbrut erarbeitet. Warum gibt es nur eine Königin und was geschieht, wenn die Königin stirbt? Die
Fragen wurden an Hand von praktischen Beispielen geklärt. An diesem Vormittag lernten die Kinder auch die Arbeitsgeräte kennen, Stockmeißel wurden ausprobiert, Imkerhütte und Anzüge übergezogen und alle ließen sich gerne fotografieren. Wie stark die Kraft der Sonne sein kann, erfuhren die Kinder beim Blick in den Sonnenwachsschmelzer, der großes Staunen hervor rief. Den Höhepunkt bildete aber der Blick in ein Bienenvolk.
Wir verabschiedeten uns von unseren Gästen, nicht ohne die nächste Einladung auszusprechen.

Honig schleudern

Die Kinder wollten bei diesem Besuch erfahren, wie der Honig aus den Waben in das Honigglas kommt. Beim gemeinsamen Frühstück konnten die Kinder den frischen Wabenhonig probieren. Mit großer Begeisterung entdeckelten die Kinder die mit Honig gefüllten Waben und erfuhren ganz nebenbei wie der Nektar zu Honig wird, aber auch wie wichtig die Hygiene ist. Denn Honig ist ein hochwertiges Lebensmittel. Mit großer Spannung warteten alle auf den ersten Honigfluss aus der Schleuder, die fachkundig von Andy Spendler bedient wurde, der seit fünf Jahren zur Imkergruppe gehört. Zum Abschluss durfte jedes Kind ein kleines 30 Gramm Glas mit nach Hause nehmen.

Weihnachtswerkstatt

Ganz spannend wurde es, als die AWO Naturgruppe uns wieder im Dezember besuchte, der Vormittag begann mit einem gemeinsamen Frühstück, der adventlich geschmückte Tisch mit brennenden Bienenwachskerzen und gegossenen Wachsfiguren deutete schon auf unser Vormittagsangebot hin und so teilten wir uns nach dem Frühstück in zwei Gruppen auf.
Die Kinder gossen mit Hilfe meines Kollegen Michael und eines Praktikanten flüssiges Wachs in Kautschukformen. Nach dem Erhärten zeigte sich schnell das Ergebnis, kleine Wachsengel als Anhänger für den Weihnachtsbaum.
Die Vorschulkinder nagelten und bohrten mit Feuereifer Rähmchen und versuchten Mittelwände in die fertigen Rähmchen zu löten. Unter Anleitung lernten sie in praktischen Übungen die Materialbeschaffenheit von Wachs kennen. An diesem Vormittag erfuhren die Kinder, dass die Biene nicht nur den Nektar in Honig verwandeln kann, sondern auch noch mit Hilfe von Wachsdrüsen das herrlich duftende Wachs ausschwitzen kann.
Die zweite Gruppe wurde erwartungsvoll von unserer Seniorengruppe begrüßt, in ihrem Gruppenraum wurden Kerzen gerollt und Weihnachtsschmuck mit Hilfe vón Ausstechformen aus Mittelwänden hergestellt, mit dem Ziel, diese als Weihnachtsgeschenke für die Eltern mit nach Hause zu nehmen.
Mit vollen Händen verabschiedete sich die Kindergartengruppe mit ihren Erzieherinnen an diesem Tag von der Werkstatt.
Mein Kollege Michael und ich waren uns einig, diese Kinder erfuhren bei uns im Laufe des Jahres, dass der Honig nicht aus dem Supermarkt kommt.

Inklusion

"Eine Herausforderung für die Gesellschaft sich zu öffnen."
So sagte es der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Dr. Ulrich Hase, in einem Interview.
Wir, die Stormarner Werkstätten für Menschen mit Handicap in Bad Oldesloe stellen uns dieser Herausforderung mit Gewinn für beide Seiten. unsere Beschäftigten erfahren eine Zunahme an sozialer Kompetenz durch das Weitergeben von Wissen an andere. Wer erzählt denn nicht gerne weiter, was er weiß. Wissen als Türöffner, um ein Teil unserer Gesellschaft zu sein.

Autorin: Ilse Drews, Mitarbeiterin der Stormarner Werkstätten Bad Oldesloe.
Projektleitung: Außerschulischer Lernort: Imkerei

 

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