Jahreslosung 2026
Der Pastor der ngd, Karsten Struck, über die Jahreslosung 2026
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!
Offenbarung 21,5
Die Jahreslosung der christlichen Kirchen wird von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) ausgewählt.
Die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation spielt dabei keine Rolle, weil die Auswahl stets vier Jahre im Voraus stattfindet.
Wichtige Gesichtspunkte sind dagegen, dass eine zentrale Aussage der Bibel in den Blick kommt, und zwar in einprägsamer und möglichst knapper Formulierung - ein Bibelwort, das in besonderer Weise ermutigen, trösten Hoffnung wecken oder auch aufrütteln und provozieren kann.
Die Wahl der Jahreslosung für 2026 erfolgte aus 32 Vorschlägen, die von den 23 Mitgliedsorganisationen der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft eingereicht worden waren.
Der Text der diesjährigen Losung stammt aus dem letzten Buch der Bibel, der sogenannten "Offenbarung des Johannes".
Dieser Bibeltext geht auf den Seher Johannes zurück.
Er verfasste den Text während der Zeit seiner Verbannung auf der Insel Patmos, denn damals wurden die Christen durch das Römische Reich verfolgt.
Die Offenbarung wurde später von den Leserinnen und Lesern häufig als Katastrophenbericht verstanden, zumal darin viele Symbole und Visionen vorkommen, die eher pessimistisch stimmen. Doch wollte Johannes vielmehr die Gläubigen trösten.Katastrophenberichte hören und sehen wir jeden Tag.
Was bedeutet dann "alles neu" in der Jahreslosung 2026?
Für Johannes geht es bei dem Text nicht nur um eine oberflächliche Veränderung. Vielmehr wünscht er sich eine tiefgreifende Verwandlung der Welt und des eigenen Lebens. Die alte Welt soll dabei nicht überdeckt, sondern überwunden werden.
Gott wird wiederum nicht als ein distanzierter Beobachter geschildert, sondern als handelnder Gott, der heilt und Hoffnung schenkt.
In einer Welt voller Krisen, Kriege und Unsicherheit bildet der Bibeltext von Johannes eine ganz neue Option, ein Gegenentwurf.
Der Text erinnert daran, Hoffnung und Vertrauen nicht zu verlieren. Und er ruft uns dazu auf, die Welt mitzugestalten und zu verbessern.
Die Vision des Reich Gottes bildet dabei keine ferne Utopie, sondern eine sehr konkrete Einladung, uns dieser Utopie ein wenig zu nähern – indem wir in unserem Umfeld für Frieden, Vergebung und Liebe sorgen.
Die Losung ermutigt dazu, Veränderungen und Neuanfänge im eigenen Leben zu suchen und zu gestalten. Das kann bedeuten, alte Gewohnheiten abzulegen, neue Wege zu gehen oder Beziehungen zu erneuern.
Die Jahreslosung erinnert an die Hoffnung auf eine umfassende Erneuerung der Welt, in der Gottes Gerechtigkeit und Frieden herrschen werden.
Wer nicht den Blick auf die großen Veränderungen richten mag oder will, kann die Jahreslosung 2026 auch im Kleinen anwenden – und versuchen, häufiger einen anderen Blickwinkel einzunehmen oder andere Meinungen zu suchen.